Was erschöpft dich wirklich: das, was ist oder dein innerer Kampf dagegen?

Manuela Ritzert
von Manuela Ritzert
16. April 2026
Was erschöpft dich wirklich: das, was ist oder dein innerer Kampf dagegen?

Manchmal ist nicht das Leben selbst oder eine bestimmte Situation das Erschöpfende. Sondern das, was wir innerlich damit machen.



Du machst so vieles richtig.
Du achtest auf dich, kümmerst dich, versuchst, dein Leben gut zu gestalten.

Und trotzdem ist sie nicht da.
Diese innere Ruhe und Gelassenheit nach der du dich sehnst.
Oder sie bleibt einfach nicht.

Vielleicht kennst du das Gefühl, abends ins Bett zu gehen und trotzdem nicht wirklich zu entspannen. Oder du wachst auf und deine Gedanken machen dich schon wieder unruhig. Der Kopf ständig im Lösungsmodus. Das Wochenende vollgepackt und der Urlaub zu kurz.

Was, wenn das nicht an zu wenig Schlaf liegt? Nicht an zu viel Stress? Was, wenn da etwas ganz anderes in dir wirkt?


Zur Ruhe kommen wollen und dabei noch mehr Druck erzeugen

Die meisten Menschen, die ich begleite, haben schon viel versucht. Meditation, Yoga, Sport, Bildungsurlaub, Therapie, früher schlafen gehen, weniger Social Media.

Und all das ist gut. Wirklich.

Aber manchmal schleicht sich dabei etwas ein, das wir kaum bemerken. Wir versuchen, zur Ruhe zu kommen. Als wäre Ruhe ein Ziel, das wir erreichen müssen. Etwas, das wir uns erarbeiten. Etwas, das wir besser machen können.

Und genau da liegt der Haken.

Denn dieser Versuch endlich ruhiger zu werden, endlich gelassener, endlich klarer, erzeugt seinen eigenen Druck. Wir optimieren uns in Richtung Entspannung und verstärken dabei genau das, was uns eigentlich erschöpft.


Was wirklich hinter deiner Unruhe steckt

Innere Unruhe ist selten das eigentliche Problem. Sie ist meistens ein Signal.

Ein Signal dafür, dass da etwas unter der Oberfläche ist, das Aufmerksamkeit möchte. Vielleicht ein Gefühl, das keinen Platz hatte. Eine Wahrheit, die noch nicht ausgesprochen wurde. Ein Widerstand gegen etwas, das wir so einfach nicht haben wollen.

Wir sind gut darin geworden, das zu überspielen. Zu funktionieren. Weiterzumachen. Den nächsten Punkt auf der Liste abzuhaken.

Aber der Körper weiß es. Er hält fest, was wir nicht fühlen wollen. Er bleibt wachsam, solange wir innerlich auf der Hut sind.

Und innerlich auf der Hut zu sein, das hat viel mit Kontrolle zu tun.


Warum Kontrolle so viel Energie kostet

Kontrolle ist kein Charakterfehler. Sie ist eine Schutzstrategie. Irgendwann, irgendwo hat sie sich bewährt. Hat dafür gesorgt, dass du funktionierst, wenn es darauf ankam. Dass du nicht zusammenbrichst. Dass du stark bleibst.

Das Problem ist nur: Kontrolle ist anstrengend. Sie braucht Energie. Ständig.

Wenn wir kontrollieren, kämpfen wir im Grunde gegen den gegenwärtigen Moment. Gegen das, was gerade ist. Gegen eine Situation, die sich nicht so entwickelt, wie wir es uns vorgestellt haben. Gegen Menschen, die anders sind, als wir es gerne hätten. Und gegen all die damit verbundenen Gefühle.

Dieser innere Kampf ist oft unbemerkt. Aber er kostet viel.

Energie, Freude, Kreativität, Leichtigkeit und wirkliche Aufmerksamkeit für uns selbst.

Und irgendwann zeigt sich das. Als Erschöpfung, Anspannung, das Gefühl, nie wirklich anzukommen.


Sein lassen ist kein Aufgeben

Hier kommt etwas, das sich vielleicht seltsam anfühlt:

Der Weg zur Ruhe führt nicht über mehr Kontrolle. Er führt über weniger.

Ich meine damit keine Resignation. Kein gleichgültiges Achselzucken. Ich meine das Tiefere dahinter:

Es darf so sein, wie es ist.

Das klingt einfach. Und gleichzeitig braucht es Mut und Vertrauen. Vertrauen darin, dass wir nicht alles im Griff haben müssen, damit das Leben funktioniert. Dass wir sicher sind, auch wenn wir loslassen.

Denn sein lassen bedeutet nicht, dass wir das Leben gutheißen müssen, wie es gerade ist. Es bedeutet, dass wir aufhören, innerlich dagegen zu kämpfen. Dass wir aufhören, uns anzuspannen gegen das, was ohnehin schon da ist.

Aber genau dieses Aufhören, dieses Innehalten im inneren Widerstand schafft Raum. Im Körper. Im Atem. Im Kopf.

Nicht, weil sich etwas verändert hat. Sondern weil wir aufgehört haben, gegen das Unveränderliche zu kämpfen.


Was sich verändert, wenn du anfängst sein zu lassen

Etwas so sein lassen, wie es ist, beginnt nicht mit einer großen Entscheidung. Es beginnt im Kleinen.

Mit dem Moment, in dem du bemerkst, da ist gerade Widerstand in mir. Da ist etwas, das ich lieber anders hätte. Etwas, das gar nicht in meiner eigenen Hand liegt.

Und das Bemerken selbst ist schon der erste Schritt.

Wirklich wahrzunehmen, was gerade in dir ist, ohne es sofort wegzumachen oder zu erklären, das ist keine Kleinigkeit.

Und dann, statt dagegen anzukämpfen, frag dich: Was würde passieren, wenn ich das jetzt einfach da sein ließe? Ohne etwas damit zu tun.

Nicht für immer. Nur für diesen Moment.

Ich kenne das gut aus eigener Erfahrung. Und ich spüre genau diesen Moment als den, in dem sich etwas löst. Ganz fein und weich. Ein tieferer Atemzug, ein Aufatmen. Ein leichter werdendes Gefühl in der Brust. Entspannung im Nervensystem, im ganzen Körper.

Das ist keine Technik. Das ist Bewusstheit.


Eine kleine Einladung für dich

Nimm dir jetzt, wenn du magst, einen Moment und spüre in dich hinein.

Wogegen bist du gerade innerlich im Widerstand? Was soll anders sein, als es ist? Eine Situation, ein Gefühl, eine Person, du selbst?

Und dann frage dich nur: Was wäre, wenn ich das für diesen Augenblick einfach so sein ließe?

Nicht als Aufgabe. Nur als Frage.

Beobachte, was passiert.


Wenn du merkst, dass dich das berührt, dass da mehr in dir ist, was gesehen werden möchte:

Im Workshop „Let it Be – Vom Loslassen zum Sein-Lassen“ am 25. April öffnen wir genau dafür einen Raum.

Hier findest du alle Infos zum Workshop


Vielleicht beginnt Ruhe nicht damit, dass sich dein Leben verändert.

Sondern damit, dass du aufhörst, dagegen zu kämpfen.


Ich freue mich, wenn du deine Gedanken mit mir teilst – per Kommentar, Nachricht oder beim nächsten Mal im Raum.

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